Review: World War 2: Time of Wrath


20090813-134901 Zum Genre der klassischen Strategiespiele gehört ganz klar World War 2 Time of Wrath. Das vom kleinen Entwickler Waste Land Interactive programmierte Spiel, stellt die Geschehnisse des zweiten Weltkriegs in Europa dar – inklusive der USA, aber exklusive des pazifischen Kriegsschauplatzes. Die Zielgruppe ist auf dem ersten Blick offensichtlich – der anspruchsvolle Strategie-Gamer, der sich nicht durch eine altbackene Präsentation aufhalten lässt.

Sicher, über die Grafik sollte bei einem solchen Nischentitel nicht viel Aufheben gemacht werden. Doch der erste Start schockt selbst den leidens-gewohnten Freak: Auf höchster Zoom-Stufe sieht die Karte arg verpixelt aus. Hier schafft erst eine Drehung am Mausrad Abhilfe, aus einiger Entfernung macht die Karte zwar keinen schönen, aber doch annehmbaren Eindruck. Die Spielfelder sind – wieder sehr klassisch – in Hexfelder eingeteilt. Doch bevor überhaupt Armenn über das Antlitz Europas verschoben werden können, muss eine Spielernation ausgewählt werden.

Alle Nationen spielbar

Hier zeigt sich die Detailliebe: Alle Nationen Europas der damaligen Zeit werden simuliert und können gespielt werden. Anfänger kommt zudem die Einstellung des Schwierigkeitsgrades entgegen. Jedem einzelnen Land kann auf Wunsch ein Produktionsbonus oder -malus zugeordnet werden. Die Multiplayermöglichkeiten beschränken sich auf PBEM (Play By E-Mail), was in dem Bereich der Strategiespiele aber durchaus als Standard gewertet werden kann.

Nun aber wieder zurück zur Karte. Neben der nostalgischen 1990er-Grafik fällt die Kleinteiligkeit des Spielfeldes sofort in das Auge. Europa besteht aus mehreren tausend Hexfeldern, die erst einmal erobert werden wollen. Daher heißt es sich zu erst einen Überblick zu verschaffen. Dies fällt RTS-gewohnten Neulingen im Land der Runden-Strategie sicher nicht so leicht, aber alte Hasen werden schnell Divisionen bewegen können.

Zu wenig Einheiten

20090813-145915 Im Gegensatz zu der detaillierten Kartendarstellung Europas, kann die Einheitenvielfalt allerdings nicht überzeugen. An Bodeneinheiten gibt es nur Infanterie, Mobile Infanterie und Panzer – jeweils als Division oder als stärkere Korps-Einheit. Auf verschiedene Unterarten wurde wahrscheinlich zu Gunsten des strategischen, denn des taktischen Schauplatzes verzichtet. Selbes gilt für die Luftwaffe und Marine: Bei ersterer hat der Hobby-General nur die Auswahl, zwischen Luftarmeen und Staffeln von taktischen Bombern. Zu Wasser kann gar nicht selbst produziert werden. Schiffe kommen per Event oder gar nicht. Dies bedeutet natürlich im Umkehrschluss, dass als Deutscher Spieler sehr sparsam mit Kriegsmarine umgegangen werden muss, soll eine Invasion der britischen Inseln gestartet werden.

Die Kriegsführung beschränkt sich auch auf Einzel- oder Gruppenangriffe. Ersterer ist meist mit sehr hohen Verlusten verbunden und sollte nur gegen schon geschwächte Truppen durchgeführt werden. Zweiterer stellt die Regel dar und ist seit seligen Diplomacy-Tagen wohlbekannt. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet neben dem Terrain der Befestigungsgrad und das Wetter: Schon Napoleon und der unsägliche böhmische Gefreite mussten erfahren, dass russische Weiten und Schneefall eine schlechte Kombination für eine Invasion darstellen.

Time of Wrath ist in erster Linie eine militärische Simulation. Der wirtschaftliche Aspekt hält zwar die Kriegsmaschinerie in Gang, kommt aber ganz klar an zweiter Stelle. Jede Nation erhält je nach Schwierigkeitsgrad und Anzahl von Städten und Fabriken Wirtschaftspunkte, die entweder in die Produktion neuer Einheiten, die Forschung und die Aufrüstung der Truppe gesteckt werden können. Die Forschung läuft weitesgehend automatisch ab: Jede Runde kommen je nach Wirtschaftspunkteinsatz ein paar Prozente hin zur neuen Stufe hinzu, bei der Eigenschaften der Truppeneinheiten verbessert werden.

Zudem gilt es im Diplomatiemenü andere Nationen auf seine Seite zu ziehen, Kriege zu erklären oder sogar Putsche anzuordnen. Die Währung in diesem Fall sind sogenannte Diplomatiepunkte, die bei einer Aktion verbraucht werden. Doch sind die Verbündeten nicht gerade durchschlagkräftig, besonders als Achsen-Spieler bedeuten ungarische Divisionen nicht gerade die Welt.

Zum Gameplay: Time of Wrath ist nicht gerade ein hoch-komplexes Spiel. Ist die anfängliche Einarbeitungsphase erst einmal vorüber, so spielt es sich flott und flüssig. Historische Events zwischen den einzelnen Runde würzen die ganze Sache zudem. Allerdings stellt sich leider nach einer gewissen Zeit eine Gewisse Monotonie ein, die vor allem vom Mangel an baubaren Einheiten und den wenig taktischen Möglichkeiten herrührt.

Kleine bis grobe Schnitzer

20090813-183253 Zudem ist das Interface teilweise arg schwierig zu bedienen. So wäre ein Menü oder eine Funktion schön, mit der einfach die angeschlagenen Einheiten repariert werden können. Jetzt muss der geneigte Spieler jede Einheit einzeln durchklicken. Die KI macht zumindest nicht den Eindruck, dass Sie dem menschlichen Spieler mit aller Konsequenz begegnen würde. Sie ist insgesamt zu passiv, wenn es um Gegenangriffe geht. Einzig mit der Luftwaffe greift sie unentwegt an – was insgesamt allerdings auch nicht viel bringt außer ein wenig schaden. Hier müsste durch einen Patch nachgebessert werden, der den Computergegner ein wenig härter macht.

Fazit: World War 2: Time of Wrath macht Spaß, keine Frage – besonders da es den Nostalgiefaktor klar auf seiner Seite hat. Doch leider vermiesen ein paar Designschnitzer und Bugs in der Testversion (bei amphibischen Operationen stürzt das Spiel ab!) den Spaß ein wenig. Auf der positiven Seite ist das schnelle Gameplay und die detailgetreue Karte zu nennen. Für Fans von historischen Strategiespielen sicher eine Empfehlung. Wer sich lieber dem Mainstream verpflichtet fühlt, sollte allerdings Abstand von dem Titel nehmen

World War 2: Time of Wrath

Wasteland Interactive

€ 26,99

Mehr Infos:

http://www.timeofwrath.com

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